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Desmethyltramadol (INN: Desmetramadol, Kurzform O-DSMT) ist das eigentlich wirksame Abbauprodukt des Schmerzmittels Tramadol. Die Leber-CYP2D6 spaltet dabei eine Methylgruppe ab – wie beim Codein –, weshalb Menschen mit einer schwachen CYP2D6-Variante von Tramadol weniger Schmerzlinderung spüren. Weil O-DSMT selbst keine weitere Umwandlung braucht, bleibt es bei ihnen voll wirksam und kann prinzipiell direkt angewendet werden.
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Seit einigen Jahren taucht die Substanz zunehmend als „Designer-Opioid“ auf: als weißes Pulver oder in gepressten Tabletten, in vielen Ländern noch nicht explizit gelistet. Medizinisch ist sie nirgends zugelassen; Erfahrungen beschränken sich auf Foren-Berichte und toxikologische Fälle.
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WirkmechanismusrnDas (+)-Enantiomer ist ein vollständiger, G-Protein-vermittelter µ-Opioid-Rezeptor-Agonist mit nur schwacher Affinität zu δ- und κ-Rezeptoren. Das (−)-Enantiomer hemmt zusätzlich die Noradrenalin-Wiederaufnahme, ohne die Serotonin-Transporter zu blockieren. Gemeinsam ergeben sich zwei synergistische Signalwege: µ-Opioid-vermittelte Analgesie und noradrenerge Schmerzmodulation – nützlich bei neuropathischen oder komplexen Schmerzsyndromen, aber auch mit höherem Wechselwirkungsrisiko.
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Zusätzlich antagonisiert O-DSMT den 5-HT₂C-Serotonin-Rezeptor (konkurrenzfähig und in therapeutisch relevanten Konzentrationen). Diese Blockade hebt die hemmende Kontrolle des Rezeptors über dopaminerge und noradrenerge Kerngebiete (präfrontaler Kortex, Striatum, Nukleus accumbens), was Stimmungsaufhellung und mögliche Antidepressiva-Effekte vermitteln könnte – vergleichbar Agomelatin oder Maprotilin. Obwohl O-DSMT damit theoretisch ein selektiveres und nebenwirkungsärmeres Antidepressivum darstellen würde, wurden entsprechende klinischen Programme nicht weiter verfolgt.
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Metabolismus
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Hauptwege: CYP3A4 und CYP2B6 bilden aus
O-DSMT das weiterhin aktive N,O-Didesmethyltramadol; gleichzeitig kann das inaktive N-Desmethyltramadol über CYP2D6 in denselben Metaboliten einmünden. Die terminale Halbwertszeit beträgt 6–8 h – bei wiederholter Gabe ist Kumulation möglich.
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Illegale MischprodukternDas als „Krypton“ vertriebene Kräutermittel (gemahlene Kratom-Blätter plus O-DSMT) wurde 2010/11 in Schweden mit mindestens neun versehentlichen Opioid-Überdosierungen in Verbindung gebracht – ein Beispiel dafür, wie ein eigentliches Metabolit zum gefährlichen Inhaltsstoff unregulierter Mischungen werden kann.